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Delta proveris Limbach-Oberfrohna zieht sich Fachkräfte kontinuierlich selbst heran
Limbach-Oberfrohna. Nein, einen großen Überhang an Fachkräften auf dem Markt könne er nicht feststellen, sagt Uwe Landmann. Der Vorstand der Delta proveris AG Limbach-Oberfrohna bestätigt damit einen Trend, den eine Fachkräftestudie der Wirtschaftsregion Chemnitz-Zwickau offenbart: Die Branchen Metallverarbeitung, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie IT-Industrie signalisieren wachsenden Personalbedarf bis 2010 und werden auf dem Arbeitsmarkt immer schwerer fündig.
Delta proveris hat dabei vor allem Informationstechniker, Informatiker und Wirtschaftsinformatiker im Auge. Das Unternehmen der in der IT-Branche tätigen Delta Barth Gruppe ist vor allem auf Software für den Leasingbereich spezialisiert und konnte in den vergangenen Jahren sowohl beim Umsatz als auch beim Personal kontinuierlich wachsen. Knapp 70 Mitarbeiter sind heute bei Delta proveris beschäftigt, mehr als die Hälfte der rund 120 zur Unternehmensgruppe Gehörenden. Auch künftig geht der Softwarespezialist von einem organischen Wachstum aus und benötigt entsprechend qualifizierte und engagierte Menschen dafür.
Unterschiedliche Wege ausprobiert
?Die Mitarbeiter, die wir brauchen, klopfen nicht einfach an die Tür. Deshalb ist es seit vielen Jahren Unternehmenspolitik in der Gruppe, das Personal selbst heranzuziehen?, betont Uwe Landmann. Dabei wurden verschiedene Wege ausprobiert. Mit dem IT-Boom um die Jahrtausendwende bildete das Unternehmen in den neu entstandenen Lehrberufen wie IT-Systeminformatiker aus. ?Wir haben aber schnell gemerkt, dass damit unsere Anforderungen nicht zu erfüllen sind und uns verstärkt auf die studentische Ausbildung konzentriert. Dort wird neben dem reinen Fachwissen zum Beispiel auch Systemlösungskompetenz vermittelt. Das ist wichtig, weil mit unserer Software verschiedene betriebswirtschaftliche Aufgabenstellungen gelöst werden sollen?, erklärt der Vorstand.
Delta proveris zieht künftige Mitarbeiter u. a. über Praktika und Diplomarbeiten ins Unternehmen. Dazu gibt es enge Verbindungen zur TU Chemnitz und zur Fachhochschule Mittweida. Der größte Teil des Berufsnachwuchses findet jedoch den Weg über die Berufsakademie (BA) Glauchau zur Delta Barth Gruppe. Rund 20 Diplom-Wirtschaftsinformatiker bzw. Diplomingenieure für Informationstechnik hat der Praxispartner der BA seit 2000 ausgebildet. ?Wir schätzen dieses praxisorientierte Studium sehr, denn der künftige Ingenieur erhält einen guten Einblick in die betrieblichen Abläufe und kann nach dem Studium schnell integriert werden?, so Landmann. Gegenwärtig gehören sieben BA-Studenten zum Unternehmen, drei davon starteten ihre Ausbildung vor wenigen Tagen.
Neben dieser Heranbildung des Berufsnachwuchses sucht Delta proveris immer auch erfahrenes Personal über Rekrutierungsrunden am freien Markt. Vier neue Mitarbeiter wurden kürzlich angeworben. ?Bei uns haben auch über 50-Jährige eine Chance, wenn Qualifizierung und Leistungswille passen. Wir legen Wert auf einen Mix aus Jugend und Erfahrung?, macht Uwe Landmann aufmerksam.
Wichtig: Kontakt zu Gymnasiasten
Bei der Werbung für IT-Berufe setzt das Unternehmen vor allem auf den Kontakt zu Gymnasiasten. Regelmäßig nimmt es an den Ausbildungsbörsen der Stadt Limbach-Oberfrohna teil und unterhält enge Beziehungen zum Gymnasium der Stadt. ?Wir müssen in den Schulen stärker für berufliche Perspektiven in den Ingenieur- und Naturwissenschaften werben. Die Region war hier immer technologisch führend und besitzt auch jetzt ihre Stärken im Maschinen- und Fahrzeugbau. Für einen jungen Menschen, der kurz vor dem Abitur steht, gibt es vor der Haustür hervorragende Perspektiven. Wir müssen sie deutlicher herausstellen?, bricht Uwe Landmann eine Lanze für die Region.
Und er hat noch einen Lösungsansatz für ein weiteres gesellschaftliches Problem: ?Wir alle wissen, dass die Zahl der künftigen Berufseinsteiger abnimmt, aber wir leisten uns zu wenig ausbildungsfähige junge Leute. Deshalb müssen wir die Ausbeute vergrößern, das vorhandene Potenzial besser nutzen.? Auch hierfür sei der stärkere Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Bildung und Politik mehr und mehr gefragt. (IR)